Murnau Teil 10 - Im Schatten von Murnau liegt Freilassing

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Johannes Auerbacher († 7.9.2018)
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Murnau Teil 10 - Im Schatten von Murnau liegt Freilassing

Beitragvon Johannes Auerbacher († 7.9.2018) » Mo 26. Feb 2018, 22:56

+++ Das Anklicken der Bilder ermöglicht jeweils eine größere Darstellung +++


Guten Tag allerseits,

heute ist es an der Zeit, über den Schattenbahnhof Freilassing zu berichten.

Für meine Art, Modellbahn zu spielen, muss der Schattenbahnhof leicht zugänglich sein. Er ist sozusagen die Quelle allen Verkehrs nach Murnau. Dafür müssen die Güterzüge frei nach Frachtanforderung gebildet werden können. So was geht natürlich nicht irgendwo im Untergrund, wo bestenfalls fertige Zuggarnituren abgerufen werden können (und wehe, da unten wird irgendetwas reparaturbedürftig). Ich habe schon von einigen Modellbahnern gehört, die in der Vergangenheit solche schattigen Schattenbahnhöfe gebaut haben und sich mittlerweile das Hirn zermartern, wie sie unter Erhalt der übrigen Anlage noch einen offenen Schattenbahnhof, wenigstens für Güterzüge, integrieren können, damit sie richtig spielen können.

Über den Schattenbahnhof hatte ich hier [EMB-Forum - siehe hier] bereits folgendes geschrieben:
„Der Schattenbahnhof ist so konzipiert, dass er keine S-Kurven enthält, da die Notwendigkeit von Zwischengeraden gegen Überpuffern zu sehr großen Gleisabständen geführt hätte und der zur Verfügung stehende Platz nicht gut ausgenutzt worden wäre. Das Einfahrgleis läuft seitlich schräg in einem Winkel von 15° auf die Rechteckfläche des Bahnhofes zu, um die Nutzlänge der Gleise zu maximieren. Die Zweigbögen der Weichen der anschließenden Gleisharfe habe ich durch Kurvenstücke mit je 3° verlängert. Heute ist der Bahnhof in ein Regal integriert, mit Staubschutzklappen versehen und nicht mehr transportabel.“

In dem Link ist auch eine Skizze des Bahnhofs.


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(1) Ein Blick auf die Ausfahrgruppe. Man sieht das Gruppenausfahrsignal Hp0/2 und die vorgelagerten Lichtsperrsignale. Letztere müssten, da sie die Vorauswahl für das Gruppenausfahrsignal treffen, eigentlich welche „am Stiel“ sein. Aus leicht nachvollziehbaren Gründen habe ich im Modell jedoch eher die „defensiv-geduckte Haltung“ vorgezogen. Es gibt fünf Ausfahrgleise 1 bis 5, das sechste rechts ist nur Ausziehgleis 6. Rechts die Abstellgruppe für die Güterwagen, Gleise 12 bis 15. Das freie Stumpfgleis 11 rechts neben dem Ausfahrsignal ist das Aufstellgleis für die Güterzüge.


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(2) Das Streckengleis zweigt vor der Lok links ab. Die Lok steht auf dem zweiten Ausziehgleis 7 des Bahnhofes, welches versteckt hinter der Baumkulisse ein Stück parallel zur Strecke verläuft.


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(3) Hier der Blick zum Bahnhofsende. Wir sehen den schon fertigen Pt(mG) 4003, die Garnitur des E543/544 und rechts den fertigen Ng 8013, jeweils für den nächsten Betriebstag. Gleise sind von 1 bis 6 von rechts anfangend bezeichnet. Ganz rechts ist das Programmiergleis, welches keine Verbindung mit dem Rest hat. Die Gleisverziehungen im Hintergrund rühren daher, dass ich beim Bau des Bahnhofes noch nicht die Breitenmaße des Peco-Locoliftes kannte. Bei meinem derzeitigen Betrieb brauche ich aber doch keinen Locolift; alle Fahrzeuge bleiben immer auf der Schiene, solange sie funktionsfähig sind. Es wird nichts mit dem Fünffingerkran gehoben, sondern nur rangiert. Links oben die in der Offen-Stellung verriegelten Staubschutzklappen, an denen auch die Fahrplan- und Umlaufplanunterlagen festgeklemmt sind. Links leuchtet Ls11, während man von Ls6 und Ls2 bis Ls5 nur die Rückseite sieht.


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(4) Von der anderen Seite aus sehen wir links den Ng 8013 des nächsten Tages, dann die Garnitur des E 543/544, dann vorne die Garnitur des Ng 8017, zu dem sich je nach Würfelglück vielleicht noch ein offener Feuergut-Stückgutwagen dazu gesellt. Ganz rechts der Schlafwagen, der mit P 4021 nach Murnau geht und der Milchwagen, der im Schattenbahnhof noch viele Male seinen Standort wechseln muss, bis er endlich am Nachmittag mit P 4025 nach Murnau darf.


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(5)


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(6) Hier das Stellwerk Freilassing Fahrdienstleiter (Ff).


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(7) Ein Blick – zwei Welten. In der Schattenwelt sieht man von vorne nach hinten die Weichen 1 bis 7, nach links schließen noch die ortsgestellten Weichen 11 bis 15 im Bereich der Güterwagenabstellgruppe an (zu sehen ist nur 11 und 12). Im Hintergrund kann man noch Ls11 und Ls6 (von hinten) erkennen.


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(8) Links die Stromabnehmereinfangvorrichtung, ursprünglich als Festpunkt für die Oberleitung gedacht. Letztlich war es aber doch nötig, den Fahrdraht bis an das Sommerfeldtsche Hebelspannwerk zu führen und ein sattes Gewicht drunter zu hängen. Hier ist gerade noch das Herzstück von Weiche 1 im Bild.


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(9) Ja, das runde Ding ist wirklich ein Spiegel, damit man vom Platz des Fahrdienstleiters die Signalstellung von Ls7 erkennen kann. Mit einem Formsignal wär' das nicht passiert. Aber die beiden Formsperrsignale, die ich anfangs hatte, haben mir wegen ihrer schlechten Funktion den letzten Nerv geraubt. Deshalb ist der Bahnhof jetzt regelkonform mit Lichtsperrsignalen ausgestattet (was es ja zusammen mit Formhauptsignalen bei elektromechanischer Stellwerkstechnik durchaus gab).


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(10) Das ist das Stellwerk von Freilassing, deutlich schlichter als das von Murnau, aber es ist auch älter. Die Bezeichnungen stimmen nicht mehr so ganz mit der Realität überein, aber der Fahrdienstleiter kennt sich aus. In der oberen Reihe die Weichenhebel 1 bis 6/7. Darunter ein Aufkleber, der die verlassenen Löcher für die Hebel der ehemals ferngestellten Weichen 11 bis 15 verdeckt. Rechts der Kippschalter kann das Zusatzsignal am Einfahrsignal von Vmax 30 km/h (Einfahrt in ein Stumpfgleis) auf Vmax 30 km/h plus Frühhaltanzeiger (Einfahrt in ein teilweise besetztes Stumpfgleis) umschalten. Bloß das Signal kann das derzeit wegen vorangegangener Staubsauger-Grobmotorik nicht: [EMB-Forum - siehe hier] und (drehscheibe-foren) . Rechts unten die beiden Taster für die Hauptsignale und links unten diejenigen für die Lichtsperrsignale. Eine Ausfahrt auf die Strecke kann nur erfolgen, wenn zuerst die Weichen dafür richtig liegen (einschließlich Schutzweiche 6/7), dann der weiße Taster Hs 1 – 5 und dann erst der grüne Taster von Ausfahrsignal N gedrückt wird. Von den Lichtsperrsignalen 1 bis 5 geht nur dasjenige auf „frei“, für das die Weichen 2 bis 6/7 richtig stehen. Für die Hp1-Stellung des Ausfahrsignals N muss noch Weiche 1 auf die Strecke zeigen. Hs 1 bis 5 (eigentlich Ls 1 bis 5) werden nach Überfahren eines Schnibbelkontaktes durch die Lok selbsttätig wieder auf Sh0 gebracht – man vergisst es einfach zu oft.

Der andere weiße Taster, über dem „R7“ steht, dient eigentlich dem Umschalten des Ls7 auf Sh1, was nur möglich ist, wenn Weiche 1 auf das Ausziehgleis 7 zeigt. Sh0 schaltet sich nach 45 s von alleine wieder ein.

Dann gibt es da noch einen gelben Taster, über dem Hs6 steht. Der gestattet die Rangierfahrt aus Gleis 6, sofern die Stellung der Weichen 6/7 von der Grundstellung abweicht. Zurückstellen ebenfalls per Schnibbelkontakt. Liegt 6/7 in Grundstellung und Ls6 wird auf Sh1 geschaltet, dient das dem freien Rangieren im Bereich von Gleis 6 und 11 bis 15. Es gibt auch ein Ls11, welches dann auch auf Sh1 geht. Hier muss nach dem Ende des Rangierens von Hand auf Sh0 gestellt werden. Hier gibt es eine Abweichung von den Gepflogenheiten des Vorbilds, bei dem niemals 2 mal am Sh1 zeigenden Signal vorbeigefahren werden darf („Das ist keine Ampel!“). Eigentlich müssten die Signale im Falle des freien Rangierens Kennlicht zeigen. Das ist bei Ls11 nicht so schwierig, da müsste ich nur das untere der beiden Sh1-Lichtlöcher zustopfen. Ls6 dagegen muss je nach der Weichenstellung 6/7 mal Sh1, mal Kennlicht zeigen können.


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(11) Hier die Schieber für die ortsbedienten Weichen 11 bis 15 in der Güterwagenabstellung.


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(12) Die Schubstangen bringen über Winkelhebel die Bewegung zur Weiche. Da die Stangen recht lang sind, habe ich nur die Enden aus Draht, die Mittelteile der größeren Knicksteifigkeit wegen jedoch aus Rohr hergestellt. Die Drahtenden sind einfach in die Winkelhebel eingehängt und dabei so weit umgebogen, dass sie nicht wieder herausfallen können. Die Winkelhebel stammen vom örtlichen Flugmodellbauladen. Die schrägstehenden Leisten tragen über Messingwinkel die Fulgurex-Weichenantriebe, die so von der dünnen 10-mm-Sperrholzplatte akustisch entkoppelt sind. Es ist besser geworden, aber noch nicht gut. Aus dem gleichen Grund habe ich die Weichen 11 bis 15 von Motor- auf Handbetrieb umgestellt.


So weit für heute.
Gruß
Johannes


Bisherige Beiträge:

(1) In Murnau wird Ng 8013 zu Ng8014: [EMB-Forum - siehe hier]
(2) Kuppeln und Radien: [EMB-Forum - siehe hier]
(3) Antwort zur Oberleitung: [EMB-Forum - siehe hier]
(4) Murnau: Grundsätzliches: [EMB-Forum - siehe hier]
((5) Von Murnau nach Freilassing mit P 4024: [EMB-Forum - siehe hier]
(6) Murnauer Kalk: [EMB-Forum - siehe hier]
(7) Frühmorgens in Murnau - Expr 504 ff: [EMB-Forum - siehe hier]
(8) Murnau hat auch ein Stellwerk: [EMB-Forum - siehe hier]
(9) Der Nachmittagsgüterzug in Murnau: [EMB-Forum - siehe hier]


Auch dieser Link über das spurgeführte Schienenputzen (drehscheibe-foren)
gehört eigentlich noch dazu.

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