Murnau Teil 6 - Murnauer Kalk (Update zur Kalkherstellung)

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Johannes Auerbacher († 7.9.2018)
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Murnau Teil 6 - Murnauer Kalk (Update zur Kalkherstellung)

Beitragvon Johannes Auerbacher († 7.9.2018) » Mo 26. Feb 2018, 23:37

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Hallo zusammen,

für den Bericht über das Kalkwerk musste ich mir noch ein paar Unterlagen zusammensuchen, die bei der Konzeption des Kalkwerkes von Bedeutung waren.

Eines Tages fand ich beim Durchstöbern des Vollmer-Kataloges den Bausatz „Kalkwerk“ und war der Meinung, das so was an den Alpenrand passt.


Kalkherstellung (Ergänzungen und Berichtigungen mit Joachims Hilfe)

Kalk wird aus Kalkstein mit Hilfe von z. B. Koks gebrannt. 1 kg Kalkstein benötigt dabei 450 kcal. Koks hat einen Heizwert von 7250 kcal/kg. Also werden 16 kg Kalkstein mit 1 kg Koks gebrannt. Dabei tritt ein Gewichtsschwund von 44% ein; es bleiben also 56% übrig. Somit lassen sich mit 16 kg Kalkstein und 1 kg Koks 9 kg gebrannter Kalk erzeugen. Für den Modellbetrieb heißt das, auf neun Kalkfrachten entfällt eine Koksfracht. Der letzte Satz ist falsch. Ich habe in der Tat den Ofenwirkungsgrad vergessen. Im Ruhrkohlen-Handbuch von 1969 wird der Wirkungsgrad eines modernen Ofens mit 90% angegeben. Ich schätze mal, dass bei meinem Ofen mit seinem eher ungünstigen Rechteckquerschnitt und Baujahr vor 1950 bestenfalls 70% drin waren. So lande ich bei einem Massenverhältnis von 1 zu 6,3.

In einer Schüttguttabelle von Beckschulte habe ich für die Schüttdichte von Koks einen Wert von ungefähr 0,4 t/m³ gefunden.

Als "Bemessungswagen" werde ich den Om 12 und Om 21 nehmen, denn ich habe O-Wagen mit mehr und mit weniger Fassungsvermögen. Bei 33 m³ Ladevolumen kämen dann 13,2 t Koks für eine Wagenladung heraus. Die Kalkwagen laden im Schnitt 19 t. 13,2 t / 19 t = 0,70. 6,3 x 0,70 = 4,38. Ich entscheide mich für ein Verhältnis von 1 zu 4.

Der gebrannte Kalk wird als Stückkalk oder Sackkalk versandt.

Gelöschter Kalk entsteht durch Zusatz von Wasser unter Wärmeentwicklung und wird als Basis für Mörtel (in Säcken oder lose, aber mit Feuchtigkeitsschutz) versandt.


Vorbildrecherche

Ganz habe ich dem Bausatz nicht getraut und habe mich im Netz über „MAERZ Gleichstrom-Regenerativ-Kalkschachtofen“ kundig gemacht. Wenn auch dort ein sehr moderner Ofen beschrieben wird, so habe ich dabei doch gelernt, aus welchen Hauptbestandteilen sich ein Kalkofen zusammensetzt.


Ofenschächte:

Ich habe mir reale Öfen (in Münchehof und Staßfurt) angeschaut und nur runde Ofenschächte vorgefunden. Die Schächte des Vollmer-Kalkofens sind jedoch rechteckig. Vollmer musste sein Vorbild jedoch irgendwo gefunden haben und - siehe da – eines Tages, da war mein Kalkofen schon genau so fast fertig wie heute, gab es im Netz einen Link auf das wahrscheinliche Vorbild: [www.riedfritz.de]


Gebläse:

Die Verbrennungsluftgebläse befinden sich in meinem Modell in dem Anbau, in dem auch die Beladung der Beschickungskübel für den Senkrechtaufzug erfolgt. Die Kühlluft für den gebrannten Kalk wird dagegen direkt neben den Abkühlbunkern unterhalb der Ofenschächte verdichtet.


Bedienungsstation:

Sie befindet sich etwas erhöht am Untergestell und erlaubt den Blick auf die Austragsvorrichtungen am Ofen und am Abkühlbunker.


Beschickungseinrichtung:

Natürlich muss die Kalkstein-Koks-Mischung irgendwie an das obere Ende des Ofenschachtes gelangen. Ich habe in Münchehof den Senkrechtaufzug und in Staßfurt Schrägaufzüge kennengelernt. Während der Schrägaufzug nur je einen Ofen versorgen kann, kommt der Senkrechtaufzug mit vier hintereinander stehenden Öfen zurecht. Ich habe mich deshalb für den Senkrechtaufzug entschieden. Das war einfach weniger Arbeit.


Ofenbetrieb:

Ein Kalkofen arbeitet in Zyklen von je etwa 10 bis 15 Minuten Dauer. Das heißt, in jeden Schacht wird etwa alle 15 min ein Kübel Rohkalkstein gemischt mit Koks eingebracht, nachdem kurz zuvor der gebrannte Kalk in den Kühlbunker ausgetragen worden ist. Es steht dann knapp die gleiche Zeitspanne zur Kühlung zur Verfügung, bevor der Kalk auf das Förderband zur Weiterverarbeitung gelangt.


Entstehung des Kalkwerkes im Modell

Der Bausatz von Vollmer enthielt leider nur die Ofenschächte. Für mein Kalkwerk fehlten
- die Beschickungseinrichtung
- die Gebläse
- die Austragsvorrichtungen
- die Abkühlbunker
- die Förderanlage zur Weiterverarbeitung
- ein Gebäude, in dem die Weiterverarbeitung erfolgt
- ein Silo mit Beladeeinrichtung
- eine Rampe zur Verladung von Sackkalk
- der Koks-Entlade-Bunker

Ich habe mir deshalb aus den gewonnenen Erkenntnissen Konstruktions-Zeichnungen erstellt.


Kalkofene_emb.jpg
(1) Zuerst fällt der Senkrechtaufzug ins Auge, der dem Münchehofer Vorbild nachempfunden ist. In dem Häuschen oben zwischen den zwei Schächten sitzt der Bediener, der beim Herannahen des Kübels die Ofenabdeckungen öffnen muss. Jeder Ofenschacht hat jetzt sein eigenes Untergestell bekommen. Dadurch hat sich der Abstand der Öfen gegenüber dem Ursprungs-Bausatz vergrößert und alle Zwischenplattformen mussten neu konzipiert werden. Dies betraf auch die Treppenanlage. Unter den Ofenschächten sind die Abkühlbunker mit je einem Gebläse hinzugekommen. Das Förderband transportiert den gebrannten Kalk in das Gebäude für die Weiterverarbeitung ( Mahlen, Absacken, Löschen) und die Befüllung der Silos mit Elevatoren.


Kalksiloe_emb.jpg
(2) Gebäude für die Weiterverarbeitung und Silo


P1000997e_emb.jpg
(3) Der Senkrechtaufzug und die Plattformen entstanden im wesentlichen aus Plastruct-Polystyrol-Profilen. Die Geländer sind von Faller, die Treppen von Vollmer, und sie haben von mir noch etwas "Statik" bekommen, damit sie nicht zusammenbrechen. Die Verbrennungsluft-Gebläse-Rohre wurden durch das Bedienerhäuschen nach unten verlängert und kommen jetzt aus dem (halb fertigen) Bau neben dem Ofen, aus dem der Senkrechtaufzug herauswächst.


P1000998e_emb.jpg
(4) Der Silo- und Weiterverarbeitungsbau (Mahlen, Löschen, Absacken) ist komplett selbst entworfen.


P1000999e_emb.jpg
(5)



P1010001e_emb.jpg
(6)


P1010002 (1)_emb.jpg
(7) Oberhalb des Förderbandes und unterhalb des Ofenschachtes ist ein Kühlbunker zu sehen und dahinter lugt auch noch ein Teil des Kühlluft-Gebläsegehäuses hervor.


P1010004e_emb.jpg
(8) Hier sieht man den Kühlbunker noch mal genauer. Wer sich auskennt, freut sich vielleicht über das Wiedersehen mit Kibri-Bausatzteilen.


P1010003e_emb.jpg
(9) Zum Abschluss noch ein Blick unter den Silo. Von der Decke hängen die Rohre zum Befüllen der Kalkdeckelwagen, hier aber noch profilfrei zur Seite geschwenkt.


So weit für heute
Gruß
Johannes


Bisherige Beiträge:

(1) In Murnau wird Ng 8013 zu Ng8014: [EMB-Forum - siehe hier]
(2) Kuppeln und Radien: [EMB-Forum - siehe hier]
(3) Antwort zur Oberleitung: [EMB-Forum - siehe hier]
(4) Murnau: Grundsätzliches: [EMB-Forum - siehe hier]
(5) Von Murnau nach Freilassing mit P 4024: [EMB-Forum - siehe hier]

Auch dieser Link über das spurgeführte Schienenputzen (drehscheibe-foren)
gehört eigentlich noch dazu.

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