Murnau Teil 3 - Antwort zur Oberleitung

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Johannes Auerbacher
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Murnau Teil 3 - Antwort zur Oberleitung

Beitragvon Johannes Auerbacher » Mo 26. Feb 2018, 23:31

+++ Das Anklicken der Bilder ermöglicht jeweils eine größere Darstellung +++

Erst mal vielen Dank an alle, die sich anerkennend geäußert haben. Das war nach all den Jahren auch mal nicht schlecht. Aber das kommt eben davon, wenn man als Kind mit Trix-Express beschenkt wird und dann schnell feststellt, dass in echt eigentlich alles ganz anders aussieht.

Nun zu

(3) Oberleitung und Stromabnehmer

Im Jahr 2009 hat jemand die Frage nach einer Straßenbahnanlage aufgeworfen, von der er 1985 im eisenbahn-Magazin gelesen hatte. Ich hatte zum Glück noch ein paar Bilder zur Hand. Hier der Link: [EMB-Forum - siehe hier]

Zitat von damals:
„Das alles war aber nur mit hohem Selbstbauanteil nachzubilden. Da die Anlage relativ kompakt war, glaubte ich, das schaffen zu können. Trotzdem, wie gestern schon angedeutet - irgendwann war die Luft raus.
Insofern habe ich großen Respekt vor Leuten, die mit der Gestaltung nicht ganz so weit gehen, aber kontinuierlich mit ihrem Standard der Gestaltung arbeiten und letztlich auch große Projekte zu einem guten Ende bringen.“

Brawa hat seinerzeit mit der E95 sehr schöne Nachbildungen der SBS 9 oder 10 geschaffen. Für mich waren sie Anlass, mit Normalspur und 15-kV-Modellen wieder anzufangen, weil diese Stromabnehmer einen Menge Selbstbau ersparen.

Die Oberleitung wird nachgespannt wie beim Vorbild; entweder mit den Federn, die in den Sommerfeldt-Spannwerken verborgen sind oder durch Gewichte, die unterhalb der Moduloberfläche hängen. Die Masten dürfen sich unter der Zugkraft im Fahrdraht (bis zu etwa 600 g) nicht verbiegen. Hierfür verwende ich Sommerfeldt-Masten, auch wenn sie etwas überdimensioniert sind. Viessmann-Masten sind etwas zierlicher, aber im Fußbereich nicht ausreichend stabil.

Vor dem Einbau werden die benötigten Anbauteile angelötet, etwa auch ganze Ausleger, wenn sie von der Normalbauform abweichen, z. B. besonders lange Ausleger wegen der Signalsicht oder niedrigerer Ausleger bei niedriger Durchfahrhöhe. Die Querseilaufhängungen von Murnau entstanden auf dem Basteltisch in Deckung mit der jeweiligen Entwurfszeichung, wie auch die Mastabstände sich aus dem Gleisplan, den Kurvenradien und dem Zickzack von +/- 4,6 mm von selbst ergeben haben. Die Fahrdraht- und Tragseil-Übergange zum Nachbarsegment sind unterschiedlich gestaltet.

_1000923er4_emf.jpg
Für die Segmentübergange innerhalb des Bahnhofs Murnau wird im Regelfall ein ganzes Fahrdraht-Tragseil-Feld zwischen den zwei nächstliegenden Querseilaufhängungen ausgehängt. Dazu werden die Fahrdrahtenden als flache Schlaufen ausgebildet und in die rechtwinklig und waagrecht von der Trennstelle weg weisend umgebogenen Seitenhalterenden ein- bzw. ausgehängt. Für die Tragseil-Verbindung sind dessen Enden einfach nur um etwa 180 Grad und leicht verschränkt zueinander umgebogen. Damit man die Zwischenstücke wieder an der richtigen Stelle einbaut, sind die Tragseilenden unterschiedlich lang ausgeführt.


_1000924er4_emf.jpg
Hier noch mal die selbe Situation aus anderem Blickwinkel. Die meisten Modulübergänge beim Fremo sehen wesentlich einfacher aus: Der Fahrdraht (und Tragseil) wird bis zur Modulkante geführt und und so wie bei mir das Tragseil einfach ineinander gehängt. Das funktioniert auch ganz prima, jedenfalls wenn man einen Draht verwendet, wie ihn H0fine anbietet. Natürlich müssen dann die freien Enden nach oben stehen.


_1000925er4_emf.jpg
Dies ist die andere Variante der Fahrdrahttrennung in Murnau. An zwei Stellen war es notwendig, die Trennung genau über der Segmentgrenze zu machen. Einmal wegen einer Fahrdrahtkreuzung über einer Weiche, die zwischen dem Quertragwerk und der Segmentgrenze liegt und dadurch in ihrer Lage stabilisiert ist und das andere Mal an einer Stelle, wo zur Überbrückung eines Streckentrenners eine Speiseleitung bis nahe an die Segmentgrenze führt.

Die bei mir verwendeten Drahtstärken sind folgende:
Fahrdraht und Tragseil: 0,3-mm-Bronzedraht H0fine Mathias Hellmann
Hänger: 0,22 mm Bronzedraht Kuswa
Kurze Seitenhalter: 0,5-mm-Messingdraht
Am Mast befestigte Seitenhalter 0,7-mm-Messingdraht
Mastausleger, wenn neu 1-mm-Messingdraht


Die Stromabnehmer müssen so leichtgängig sein oder gemacht werden, dass sie durch ihr Eigengewicht zusammenfallen, wenn alle Hubfedern ausgebaut wurden und sollten nur mit den Federn wieder versehen werden, die ausreichen, das Schleifstück mit optimal 2 g an den Fahrdraht zu drücken (lässt sich mit einer Briefwaage prüfen).

Man kann die Brawa-Stromabnehmer relativ einfach noch weiter verfeinern, weil wesentliche Teile aus Messing bestehen und die vorhandenen nicht ganz vorbildgerechten Querverbinder von Untergestell und Unterschere als Vorrichtung zum Einlöten der neuen Teile dienen können. Hier der Link zur Umbauanleitung: (drehscheibe-foren)

Noch etwas: Anfang November fand in der Nähe von Leipzig ein Fremo-Treffen statt, bei dem Epoche II und Oberleitung mit bestimmend war. Anbei der Link zu den bewegten Bildern von Andreas (EP 248): (drehscheibe-foren)


Gruß
Johannes



Nachtrag


Umbau und Verfeinern der Brawa-Stromabnehmer auf Glocken- oder Rillenisolatoren

Arbeiten, die auch dann anfallen, wenn der Stromabnehmer unverändert montiert wird, sind kursiv geschrieben.

1. Ersetzen der vorbildwidrigen Untergestellquerverbindung mit Schraubloch durch Glocken- oder Rillenisolatorböcke

Bohren einer Holzvorrichtung (z. B. Leistenstück 20 mal 20 mm) mit vier 1-mm-Bohrungen auf 10,3 mal 17,3 mm (Stiftenklöbchen, 1-mm-Bohrer, Geodreieck)

Abschneiden der Steckzapfen am Untergestell (Seitenschneider)

Entfärben der Isolatoraufnahmen des Untergestells (Bastelmesser mit Abbrechklingen)

Trennen der Günther-Glockenisolatoren Nr. 001565 oder Rillenisolatoren Nr. 001568 vom Gussbaum, Entgraten und Richten (Seitenschneider, Pinzette, Uhrmacherfeile)

Aufreiben der Isolatoraufnahmen des Untergestells, bis die Isolatoren passen (Satz feiner Konusreibahlen ab ca. 0,5 mm)
Einpassen der Isolatoren

Verlöten der Isolatoren mit dem Untergestell auf der Vorrichtung (30-W-Lötkolben, wenig Lötzinn, Lötwasser)

Abschneiden der alten Querverbindung mit Gewinde im Untergestell (Seitenschneider)

2. Ersetzen der vorbildwidrigen Unterscherenquerverbindung durch verlötete Unterscherenachsen

Ablängen zweier neuer Unterscherenachsen aus 0,75-mm-Rundmessing auf 21,0 mm (Seitenschneider, Uhrmacherfeile)

Herstellen neuer Federhebel (kann entfallen, weil eigentlich schon 2 der 4 Wippenfedern genügen, um den Stromabnehmer zu heben).

Richten der Unterscheren (Finger und spitze Flachzange)

Durchkneifen der alten Unterscherenachsen. Vorsicht Finger: Stahlachsen! (Seitenschneider)

Entnehmen der Schere aus dem Untergestell und Entnehmen der Zugfedern am Untergestell

Leichtes Aufreiben der Bohrungen im Untergestell (Konusreibahle)

Entfernen der Reste des alten Querträgers und der Steckzapfen am Untergestell (Uhrmacherfeile)

Entfärben der Umgebung der Unterscherenachsenbohrungen in der Unterschere (Bastelmesser)

Säubern der Bohrungen an den Unterscheren von Farbe (Konusreibahle)

Montage von Unterscherenachse und Schere mit dem Untergestell auf der Vorrichtung (Pinzette)

Verlöten der Unterscherenarme mit der Unterscherenachse auf der Vorrichtung, wenn die Unterscherenarme richtig stehen (30-W-Lötkolben, wenig Lötzinn, Lötwasser)

Entfernen der alten Unterscherenquerverbindung, der Haltekralle und Versäubern der Schnitte an den Unterscherenarmen (Seitenschneider, Uhrmacherfeile)


3. Schmaleres Schleifstück

Das Brawa-Schleifstück besteht aus Niro und ist relativ breit ausgefallen. Außerdem fehlt in der Wippe das Versteifungsrohr unterhalb des Schleifstückes
.
Mit der Feile kann man das Niro-Teil nicht bearbeiten; es funktioniert aber mit der Flanke einer rotierenden Diamantscheibe (z. B. Proxxon). Ein bisschen Augenmaß gehört dazu, um schartenfrei eine gleichmäßige Breite von ca. 1 mm zu erzielen. Anschließend entgraten.

Das Versteifungsrohr lässt sich unterhalb des Niro-Teils nur einkleben. Dazu den Stromabnehmer so drehen, dass das Schleifstück zu unterst liegt und so fixieren, dass das Schleifstück mit einer Pinzette noch erreichbar ist. Das passend abgelängte Versteifungrohr aus 0,3-mm-Messingdraht (18 mm lang) an beiden Enden mit ein wenig schnell aushärtendem 2K-Kleber versehen und symmetrisch auf die Hohlkehle der Unterseite des Schleifstückes legen.

4. Abschließende Arbeiten

Richten der Oberschere auf vorbildgerechte Breite, Geraderichten der Oberscherenarme (Finger)

Abwinkeln der Oberscherenarme nach unten ca. 1 mm vor den Unterscherengelenken, bis Oberschere und Unterschere im eingezogenen Zustand wirklich flach liegen und etwa parallel zueinander stehen (feine schmale Flachzange)

Lackieren der blanken Stellen (Isolatoren braun Revell 81, Rest rot Revell SM330)

Einhängen der Zugfedern (Pinzette)

Falls erforderlich, Bohren neuer Montagelöcher auf dem Lokdach im gleichen Abstand wie auf der Vorrichtung; Verschließen des alten Schraubloches, Glätten des Daches, Ausbessern des Lackes mit silber Revell 90, je nach Dachfarbe gemischt mit wenig schwarz Revell SM302

Einkleben der Stromabnehmer.

brawa.jpg





Bisherige Beiträge:

(1) In Murnau wird Ng 8013 zu Ng8014: [EMB-Forum - siehe hier]
(2) Kuppeln und Radien: [EMB-Forum - siehe hier]


Auch dieser Link über das spurgeführte Schienenputzen (drehscheibe-foren)
gehört eigentlich noch dazu.

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